Das Phänomen Burnout hat es auf die Titelseite des Spiegels (Nr. 4/24.1.2011) geschafft.
Zwar war mir klar, dass psychische Erkrankungen in ihrer Bedeutung zugenommen haben, aber diese Zahl habe ich dann doch nicht erwartet: Die durch psychische Erkrankungen bedingten Fehlzeiten haben demnach innerhalb von zehn Jahren um 76 % zugenommen.
Insgesamt finde ich den Artikel im Spiegel gut gelungen. Er hat unter anderem sehr deutlich gezeigt, dass Burnout oder Erschöpfungsdepression einen Menschen ziemlich lange und nachhaltig außer Gefecht setzen kann. Das kann weder im Sinne der Arbeitgeber noch im Sinne der Betroffenen sein.
Aber was ist die Alternative? Dienst nach Vorschrift? Aussteigen und den stressigen Alltag anderen überlassen? Im Film “American Beauty” drückt der Anti-Held der Geschichte das nett aus: “Ich suche einen Job mit der geringstmöglichen Verantwortung.”
Von mir selbst und aus meinem Bekanntenkreis weiß ich, dass dieser Gedanke so Manchem in sehr anstrengenden Phasen kommt – aber dann auch schnell wieder vergeht. Ich unterstelle, dass die meisten sich durchaus engagieren und etwas bewegen wollen, solange sie nicht völlig fertig sind.
Hier passt wieder einmal ein Entwicklungsquadrat. Ich habe es oben links dargestellt. Es geht eben nicht um Gelassenheit ODER Engagement. Das Eine führt ohne das Andere in die destruktive Übertreibung, also entweder zu Dauerstress oder zu Gleichgültigkeit. Hier besteht die ernsthafte Gefahr, von einem Extrem ins andere zu kippen.
Wer am Dauerstress kaputt geht, droht in die gleichgültige Untätigkeit zu kippen. Bei seinem Wiedereinstieg aber gleich wieder im Dauerstress oder zumindest in der Angst davor zu landen. Die Entwicklungspfeile zeigen, dass es um etwas anderes geht. Wer zum Dauerstress neigt, sollte an der Entwicklung von Gelassenheit arbeiten. Dann könnte das Ergebnis gelassenes Engagement sein.
Meine Vorstellung von gelassenem Engagement: Sich im Rahmen seiner eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten einbringen ohne dabei die eigenen Bedürfnisse und Grenzen aus dem Blick zu verlieren. Dabei muss man immer einmal wieder auch den Misserfolg akzeptieren. Wenn wir nicht dauernd darüber grübeln, wie grauenhaft der Misserfolg wäre, dürfte die Erfolgswahrscheinlichkeit sogar steigen. Es ist ja mehr Energie übrig. Auf jeden Fall wird es einfacher, wieder aufzustehen und weiter zu machen.
Was tun Sie für Ihre Gelassenheit?




